Godox C100 Test, Kamera und Belichtungsmesser im Praxistest

Godox C100 Test, Kamera und Belichtungsmesser im Praxistest

Inhaltsverzeichnis

Ich habe den Godox C100 zum Testen erhalten und auf mehreren Ausflügen ausprobiert. Falls du dich jetzt fragst, was der Godox C100 überhaupt ist: Das kleine, kompakte Gerät kombiniert eine Kamera mit einem Belichtungsmesser und setzt dabei auf ein ungewöhnliches Design. Doch könnte genau dieses Design zugleich seine grösste Schwäche sein? In diesem Godox C100 Test teile ich meine Erfahrungen, damit du besser einschätzen kannst, ob sich der Kauf für dich lohnt.

Design und technische Daten des Godox C100

Der Godox C100 kostet rund 46 US-Dollar, besitzt eine 2-Megapixel-Kamera und nimmt Videos in 1080p auf. An der Seite befindet sich ein Modusschalter, auf der Vorderseite sitzen zwei physische Tasten. Der eigentliche Blickfang ist jedoch sein Display, oder vielmehr das Fehlen eines klassischen Bildschirms.

Stattdessen dient ein transparentes Fenster mit etwa 50 Prozent Lichtdurchlässigkeit zur Bildgestaltung. Dadurch bleibt die Szene hinter dem Gerät sichtbar. Ein kleines HUD zeigt darin den gewählten Modus, einen Rahmen für den Bildausschnitt, den Akkustand und, abhängig vom Modus, einige Einstellungen an.

Der C100 wird über USB-C geladen und unterstützt microSD-Karten mit bis zu 128 GB. Bei Fotos mit lediglich 2 MP dürfte es allerdings schwerfallen, eine solche Karte vollständig zu füllen. Dank seiner kompakten Abmessungen passt das Gerät problemlos in eine Tasche. Ein kleiner Griff mit aufgedruckten Skizzen verleiht ihm ausserdem ein unverwechselbares Aussehen.

Der Godox C100 als Kamera im Test

Intuitiv möchte man den C100 etwa eine Armlänge entfernt halten, um den Bildausschnitt festzulegen. In der Praxis musste ich ihn jedoch deutlich näher ans Gesicht führen, um die spätere Komposition halbwegs beurteilen zu können. Selbst dann fällt die präzise Bildgestaltung überraschend schwer, besonders wenn man die Kamera nicht regelmässig verwendet.

Mehrmals war ich überzeugt, das Motiv perfekt eingerahmt zu haben, nur um beim anschliessenden Betrachten des Fotos festzustellen, wie weit ich danebenlag. Mit etwas Übung dürfte sich das verbessern, dennoch ist eine deutliche Eingewöhnungszeit nötig.

Noch skeptischer macht mich die sehr geringe Auflösung. Bei nur 2 MP gibt es praktisch keinen Spielraum für einen nachträglichen Beschnitt. Auch der Dynamikumfang ist stark eingeschränkt: Lichter brennen schnell aus, während Schatten fast alle Details verlieren, sofern das Motiv nicht sehr gleichmässig beleuchtet ist.

Die Leistung bei wenig Licht überzeugt ebenfalls nicht, was in dieser Preisklasse allerdings zu erwarten war. Hinzu kommt, dass sämtliche manuellen Einstellmöglichkeiten fehlen. Man kann kaum Einfluss auf die Aufnahme nehmen, und bei mehreren Fotos wählte die Kamera einen unpassenden Weissabgleich, der ein ansonsten brauchbares Bild ruinierte.

Insgesamt bleibt die Bildqualität deutlich begrenzt. Feine Details fehlen weitgehend, die Farben wirken eher flach und bei Aufnahmen in Richtung heller Lichtquellen traten zahlreiche interne Reflexionen auf.

Ich persönlich würde den Godox C100 deshalb kaum als Kamera verwenden. Wesentlich interessanter ist der integrierte Belichtungsmesser, auf den ich weiter unten eingehe.

Videoqualität: Starker Rolling-Shutter-Effekt

Leider zählt auch die Videoqualität zu den Schwächen. Der C100 zeigt einen extrem starken Rolling-Shutter-Effekt. Schon beim Gehen mit der Kamera oder bei Bewegungen des Motivs entsteht ein deutlich sichtbarer Wackelpudding-Effekt.

Damit eignet sich der Videomodus fast nur für weitgehend statische Aufnahmen. Zusätzlich liegt die maximale Auflösung bei lediglich 1080p. Heute würde ich das persönlich nur noch verwenden, wenn ausdrücklich eine niedrig aufgelöste Retro-Ästhetik gewünscht ist.

Integrierter Belichtungsmesser für die analoge Fotografie

Glücklicherweise ist der Godox C100 mehr als eine Kamera. Sein integrierter Belichtungsmesser ist für mich die deutlich interessantere Funktion, insbesondere für die analoge Fotografie.

In meinem Test wich die Messung in der Regel um höchstens etwa zwei Drittel einer Blendenstufe von der korrekten Belichtung ab. Das ist für die meisten Situationen ausreichend genau. Auch die Bedienung ist unkompliziert: Du richtest den C100 auf dein Motiv und erhältst direkt einen Belichtungswert. ISO, Blende und Verschlusszeit lassen sich einstellen. Anschliessend wählst du, ob das Gerät die passende Verschlusszeit oder Blende berechnen soll.

Besonders gefällt mir, dass der C100 einen relativ grossen Bereich der Szene misst. Viele integrierte Belichtungsmesser älterer Filmkameras reagieren stark auf einzelne helle oder dunkle Bildbereiche. Der C100 liefert dagegen eher einen Durchschnittswert für die gesamte Szene. Das ist in der Praxis hilfreich, wenn du schnell in den richtigen Belichtungsbereich kommen möchtest, ohne einzelne Bildpartien aufwendig auszumessen.

Auch die kompakte Bauform funktioniert für diesen Einsatzzweck überraschend gut. Der C100 passt in eine Jacken- oder Hosentasche und wiegt so wenig, dass es kaum einen Grund gibt, ihn zu Hause zu lassen. Wer mit einer älteren analogen Kamera ohne zuverlässigen eingebauten Belichtungsmesser fotografiert, erhält damit ein praktisches Zubehör.

Das transparente Display ergibt für die Belichtungsmessung ebenfalls mehr Sinn als für das Fotografieren. Während der Messung bleibt das Motiv durch das Gerät sichtbar. Statt auf einen separaten Bildschirm hinunterzuschauen, richtest du den C100 auf dein Motiv, prüfst die Belichtung und kannst direkt weiterfotografieren.

Es gibt jedoch Einschränkungen. Vor allem kann der C100 kein Blitzlicht messen und ist daher auf vorhandenes Licht sowie Dauerlicht beschränkt. Wenn du regelmässig mit Studioblitzen arbeitest, ersetzt er keinen dedizierten Blitzbelichtungsmesser. Auch die Präzision und die speziellen Messfunktionen professioneller Geräte bietet er nicht.

Für analoge Fotografie mit natürlichem Licht oder Dauerlicht halte ich ihn dennoch für sinnvoll. Für rund 46 US-Dollar erhältst du einen winzigen Belichtungsmesser, der überallhin mitgenommen werden kann und schnelle, ausreichend zuverlässige Werte liefert.

Genau diese Funktion macht den Godox C100 für mich interessant. Als Kamera verlangt er zu viele Kompromisse. Als kompakter Belichtungsmesser für Filmkameras, besonders wenn die Kamera keinen eingebauten Belichtungsmesser besitzt oder dieser nicht mehr zuverlässig arbeitet, ist er hingegen durchaus überzeugend.

Fazit: Lohnt sich der Godox C100?

Der Godox C100 verbindet zwei unterschiedliche, aber verwandte Ideen in einem sehr kleinen Gerät. Als Kamera kann ich ihn nur schwer empfehlen. Die geringe Auflösung von 2 MP, der begrenzte Dynamikumfang, flache Farben, interne Reflexionen, der unzuverlässige Weissabgleich und der starke Rolling-Shutter-Effekt bringen zu viele Einschränkungen mit sich.

Der transparente Sucher ist zweifellos ein interessantes Konzept. In der Praxis war eine präzise Bildgestaltung jedoch schwieriger als erwartet. Da anschliessend praktisch kein Spielraum zum Zuschneiden bleibt, wirkt die Kamerafunktion eher wie ein unterhaltsames Extra als wie ein Werkzeug, auf das ich mich beim Fotografieren verlassen würde.

Als Belichtungsmesser ergibt der C100 deutlich mehr Sinn. Er ist klein genug für jede Tasche, liefert hinreichend genaue Messwerte und eignet sich mit seinem breiten Messbereich gut für eine schnelle Einschätzung der Gesamtbelichtung. Das transparente Display ist hier tatsächlich nützlich, weil das Motiv während der Messung sichtbar bleibt.

Wenn du hauptsächlich eine kleine Digitalkamera suchst, würde ich mich nach einer Alternative umsehen. Fotografierst du hingegen analog und möchtest einen günstigen, kompakten Belichtungsmesser für unterwegs, lässt sich der Godox C100 deutlich leichter empfehlen. Beachte lediglich, dass er keine Blitzbelichtungsmessung unterstützt.

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