Auf Reisen mit der Kamera | Teil 2: Reisefotografie Tipps zu Perspektive, Licht & Storytelling

Auf Reisen mit der Kamera | Teil 2: Reisefotografie Tipps zu Perspektive, Licht & Storytelling

Inhaltsverzeichnis

In dieser Serie zeigt dir Antony Berbert, wie du erfolgreiche Reisefotografie umsetzt – von der Vorbereitung über die praktische Anwendung vor Ort bis zur Bildbearbeitung. In Teil 2 erfährst du die essentiellen Reisefotografie-Techniken: Wie du mit Perspektivwechseln, Licht und Bildserien stärkere Reisefotos machst. Egal, ob du Anfänger oder erfahrener Fotograf bist – dieser Guide bietet dir praktische Reisefotografie-Tipps und bewährte Strategien, um deine Ferienfotos beim nächsten Abenteuer auf das nächste Level zu bringen.

Jetzt zählt, was du aus der Situation machst: Licht verändert sich im Minutentakt, Szenen passieren nur einmal, und gute Ideen müssen schnell umgesetzt werden. In diesem Teil geht es darum, wie du vor Ort flexibel bleibst und bei der Reisefotografie aus Momenten Bilder machst, die hängen bleiben.

Vor Ort flexibel bleiben

Wenn ich am Reiseziel bin, habe ich durch die Vorbereitung schon einige Bilder im Kopf oder auf dem Handy. Tagsüber, wenn der Fokus nicht immer auf Fotografie liegt, nehme ich die Kamera meistens trotzdem mit. Ich ärgere mich eher über ein verpasstes Bild als über ein paar Stunden zusätzliches Tragen.

Gleichzeitig halte ich das Setup bewusst einfach, damit ich schnell aufnahmebereit bin. Ein klarer Ablauf hilft: Kamera griffbereit, Basis-Settings vorbereitet, und dann zuerst beobachten statt sofort auslösen.

An den Fotospots habe ich zwar oft schon Blickwinkel geplant, aber ich laufe immer zuerst eine kurze Runde um den Spot. Genau dort finde ich oft neue Perspektiven, Linien, Rahmen oder spannende Vordergründe, die ich vorher nicht auf dem Schirm hatte.

Dazu hilft es, mit klassischen Kompositionsideen zu spielen: Perspektive wechseln und nicht immer auf Augenhöhe fotografieren – knien, legen, auf eine Leiter steigen oder von der anderen Seite schauen gibt dem gleichen Motiv sofort eine neue Bedeutung. Vordergrund, Rahmen, Linien und Muster bewusst einzusetzen schafft Tiefe und Spannung. Ein Baum kann einen Menschen rahmen, eine Linie kann den Blick lenken, ein Muster kann Struktur geben.

Normale Ferienfotos: echte Momente mit Reisepartnern

Wenn es normale Ferien sind und nicht alles auf Reisefotografie ausgelegt ist, bleibe ich bei meinen Ferienfotos bewusst spontaner. Statt ein Motiv lange zu inszenieren, achte ich auf echte Situationen: Lachen beim Essen, ein kurzer Blick in die Landschaft, Bewegung auf dem Weg zum nächsten Ort oder kleine Momente im Alltag der Reise.

Reisepartner fotografiere ich in solchen Situationen möglichst ungestellt. Das wirkt natürlicher und erzählt die Reise viel besser als reine Posings. Solche authentischen Reisefotos geben Massstab und Emotionen ins Bild – sie verbinden den Betrachter mit dem Ort. Ein wichtiger Bildaufbau-Tipp: Achte darauf, dass die Horizontlinie nicht durch den Kopf oder Nacken läuft. Entweder die Kamera leicht höher oder tiefer nehmen, damit der Hintergrund ruhiger wirkt und die Person klarer vom Umfeld getrennt ist.

Beim Licht helfen oft einfache Entscheidungen: Wenn die Sonne hart ist, lieber in den offenen Schatten gehen, zum Beispiel an Hauskanten, unter Arkaden oder neben Bäumen. Diese Lichttechniken sind essentiell für bessere Reisefotos. Besonders spannend sind Schattenkanten, also der Übergang zwischen Licht und Schatten. Dort bekommst du Tiefe im Bild und trotzdem ein kontrolliertes Licht auf dem Gesicht. Für saubere Hauttöne belichte eher auf das Gesicht und prüfe kurz, ob keine harten Flecken über Augen oder Nase laufen. Nutze Licht und Schatten bewusst als Gestaltungsmittel – Schatten können dramatisieren, Gegenlicht kann Halos erzeugen, weiches Seitenlicht kann Struktur zeigen. Je bewusster du mit Licht umgehst, desto stärker werden deine Reisefotos und Reisefotografie insgesamt.

Reisefotos in Bildserien statt Einzelbildern denken

Für stärkere Serien bei der Reisefotografie hilft mir ein einfacher Ablauf: erst ein Überblick (wide), dann mittlere Distanz (medium), dann Details (tight). So erzähle ich den Ort nicht nur mit einem Einzelbild, sondern als kleine Geschichte von Reisefotos. Zusätzlich variiere ich die Perspektive, arbeite mit Licht und Schatten und nehme, wenn es passt, Bewegung oder Menschen ins Bild.

Was die Perspektiven jeweils leisten sollen:

Wide (Überblick): Diese Perspektive zeigt den Ort, die Stimmung und den Kontext. Ein typisches Beispiel für Reisefotos ist ein ganzer Marktplatz bei Abendlicht, eine Küstenlinie mit Wanderweg oder eine Strassenszene mit Architektur links und rechts.

Medium (mittlere Distanz): Hier rückt das Hauptmotiv in den Fokus, ohne den Ort komplett auszublenden. Das kann dein Reisepartner vor einem Café sein, eine Person auf einem Aussichtspunkt oder ein Verkäufer an seinem Stand – solche Aufnahmen sind zentral für gute Reisefotografie.

Tight (Detail): Diese Perspektive isoliert kleine Elemente, die Atmosphäre erzeugen und die Story deiner Ferienfotos glaubwürdig machen, zum Beispiel Hände mit Kaffeetasse, ein Ticket in der Hand, nasse Pflastersteine nach Regen, Muster an Türen, Schilder oder kleine Objekte auf dem Tisch.

Warum das funktioniert: Der Wide Shot verortet die Szene, Medium baut Nähe auf und Tight bringt die kleinen, oft unscheinbaren Elemente hinein, die Atmosphäre erzeugen. Diese drei Ebenen ergänzen sich in deiner Reisefotografie, geben dem Betrachter Orientierung und machen aus Reisefotos eine runde, erzählerische Serie von Ferienfotos.

Neben Wide, Medium und Tight gibt es noch weitere Aufnahmen, die eine Serie spannend machen:

Dynamikaufnahmen, die Bewegung ins Bild bringen – eine Person, die gerade läuft, eine Welle am Strand oder Menschen, die sich bewegen. Dynamik macht eine Reisefoto-Serie lebendig und verhindert, dass alles zu statisch wirkt. Und dann sind da noch die Twist-Momente, der überraschende Blickwinkel oder eine kontrastige Beobachtung, die die Betrachter zum Schmunzeln bringt oder überrascht. Diese Momente brechen die Routine auf und machen deine Reisefotos und Ferienfotos memorabel.

Komposition bei Reisefotografie bewusst nutzen

Zusätzlich zu diesen Bildserien lohnt es sich bei deiner Reisefotografie, gezielt mit klassischen Kompositionsideen zu arbeiten. Von oben, unten oder seitlich fotografieren gibt alltäglichen Szenen sofort einen neuen Charakter – ein Drohnenblick, die Froschperspektive von unten oder ein extremer Seitenblick können aus gewöhnlichen Motiven spannende Reisefotos machen. Experimentieren lohnt sich immer.

Weiter als die anderen gehen: Die Extrameile

Oft ist das beste Bild nicht dort, wo alle anderen stehen. Die Extrameile entsteht auf verschiedene Weisen. Manchmal bedeutet es, weiter zu gehen, höher zu steigen oder einfach mehr zu tragen – einen Hügel hochzulaufen, während alle anderen auf der Strasse bleiben. Manchmal ist es die Zeit: ausharren, zurückkommen oder auf den richtigen Moment warten, wenn das beste Licht kommt oder sich die Menschenmenge auflöst. Manchmal ist es Planung – wer einen Ort recherchiert und vorbereitet, hat vor Ort Zeit für Details statt für hektisches Suchen. Und manchmal ist es die emotionale Offenheit: sich überwinden, Menschen ansprechen und wirklich in Situationen eindringen, statt nur von aussen zu fotografieren. Diese Authentizität führt zu Bildern, die wirklich hängen bleiben.

Die Extrameile macht oft den Unterschied. Weiter gehen, länger warten, zurückkommen oder den Mut haben, eine Situation aktiv zu gestalten – genau daraus entstehen die Bilder, die am Ende herausstechen.

Tagesabschluss: sichern statt riskieren

Am Abend sichere ich die Fotos auf die Festplatte und leere, wenn nötig, die Speicherkarten. In den Ferien selbst komme ich meistens kaum zum Bearbeiten, weil die Reise oft dicht getaktet ist.

Wichtig ist eine einfache Routine: importieren, kurz prüfen, sichern, dann erst löschen. Je klarer der Ablauf, desto geringer das Risiko für Datenverlust.


Was macht deine Reisefotos und Ferienfotos am Ende stark? Es ist eine Mischung: flexible Planung, klare Bildideen und der Mut, die Extrameile zu gehen. Wer diese Reisefotografie-Grundprinzipien kombiniert, wird merken, dass die Reisefotos immer besser werden – nicht weil die Orte besser werden, sondern weil der Blick geschärft wird. Im 3ten und letzten Teil gehe ich dann darauf ein, wie du deine Reisefotos nach der Reise am besten bearbeitest.

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