Portraits mit dem Tamron 16-30mm f/2.8 G2 – Erfahrungsbericht, landschafts-, architekturfotografie und Portraits von Berlin bis Rom
- Marvin Kuhn
- Erfahrungsberichte , Review , Objektive
- 10. August 2026
Inhaltsverzeichnis
Portraitfotografie mit dem 16-30mm f/2.8 von Tamron ist echt eine tolle Sache, aber es ist doch gar kein Portraitobjektiv? Denn eigentlich ist es eher ein Objektiv für Landschafts- und Architekturfotografie. Aber es wäre doch langweilig, wenn man ein Objektiv nur für den vorgesehenen Einsatzzweck nutzen würde. Deshalb habe ich nicht nur die Landschafts- und Architekturfotografie getestet, sondern auch weitere Genres wie die Portraitfotografie. In diesem Erfahrungsbericht möchte ich euch meine Eindrücke und Erfahrungen mit dem Tamron 16-30mm f/2.8 G2 mitteilen und zeigen, wie vielseitig dieses Weitwinkelzoom tatsächlich ist.
What’s in the box?
Der Lieferumfang des Tamron 16-30mm f/2.8 G2 ist recht übersichtlich, denn es gibt nur das Objektiv, die Gegenlichtblende und die Bedienungsanleitung. Also Tamron-üblich recht karg gehalten, aber schlussendlich geht es um das Objektiv und nicht um das Beigemüse.
Das Objektiv selbst ist sehr leicht, klein und kompakt. Beim Zoomen verändert sich die äussere Länge trotz der kompakten Bauform nicht, was für Videoaufnahmen auf einem Gimbal von Vorteil ist. Lediglich die Frontlinse verschiebt sich innerhalb des Gehäuses. Es ist deshalb nicht ganz ein internes Zoom, bleibt aber trotzdem wettergeschützt.
Am Objektiv finden wir ansonsten einen Fokusring, einen Zoomring, einen frei belegbaren Funktionsknopf und einen USB-C-Anschluss für Firmwareupdates und weitere Einstellungen. Beim ganz neuen Tamron 12-20mm f/2.8 gibt es jetzt auch einen Blendenring. Den vermissen wir hier noch. Das finde ich aber nicht so schlimm, denn meistens stelle ich die Blende sowieso direkt an der Kamera ein. Was mir eher fehlt, ist ein AF/MF-Schalter. Dazu aber später mehr.
Experience
Ich habe das Tamron 16-30mm f/2.8 G2 schon seit über einem Jahr im Einsatz und habe es auf so einige Reisen und Ausflüge mitgenommen. Von Berlin bis nach Rom, vom Zoo bis in die Berge und bis hin zu verschiedenen Portraitshootings. Du magst jetzt denken: Wieso Portraits und für was braucht man da 16mm?!
Brauchen tust du es nicht, aber es macht richtig Spass, damit einzigartige Perspektiven und Looks zu schaffen. Durch den Zoom bis 30mm kann man auch gut einmal ein weniger verzerrtes Portrait aufnehmen oder bei 16mm gewisse Dinge bewusst hervorheben und gleichzeitig die Umgebung wunderbar miteinbeziehen. Aber dazu später mehr. Denn eigentlich ist das Objektiv eher für Landschafts- und Architekturfotografie gedacht und genau dort beginne ich jetzt mit meinem Erfahrungsbericht.
Reisen nach Berlin, Rom und in die Berge
Um das Objektiv für seinen eigentlichen Zweck zu testen, habe ich es zuerst auf meine Reise nach Berlin mitgenommen. Also eigentlich habe ich es mir genau für diese Reise gekauft, weil ich Lust darauf hatte ;). In Berlin und Potsdam konnte ich hervorragend Gebäude und Cityscapes fotografieren, wofür das Objektiv meiner Meinung nach sehr gut geeignet ist. Gerade in Städten gibt es immer wieder Situationen, in denen man nicht einfach noch ein paar Schritte zurückgehen kann. Da sind 16mm natürlich sehr praktisch.
Gleichzeitig gefällt mir der Zoombereich bis 30mm, denn nicht jedes Bild muss extrem weitwinklig aussehen. Gerade auf Reisen entstehen viele Situationen spontan und da möchte ich nicht ständig das Objektiv wechseln. Das Objektiv zeigt nur mässige Verzeichnungen und ist meiner Meinung nach gut korrigiert. Auch chromatische Aberrationen sind mir nur sehr selten aufgefallen, wobei ich bei einem modernen Tamron-Objektiv auch nichts anderes erwartet hätte. Auch Gegenlichtaufnahmen zeigten zunächst eine meiner Meinung nach gute Performance. Beim Bundestag erhielt ich trotz direktem Gegenlicht gute Kontraste und schöne Sonnensterne. Diese sind zwar nicht ganz so definiert wie bei gewissen anderen Objektiven, gefallen mir persönlich aber trotzdem gut.
In Rom zeigte mir das Objektiv dann aber auch, dass es bei gewissen Lichtverhältnissen zu Flares kommen kann. Befindet sich eine starke Lichtquelle direkt im Bild oder knapp ausserhalb des Bildausschnitts, kann das ganze Bild etwas verwaschen wirken und teilweise entsteht auch sichtbares Ghosting. Das ist nicht bei jeder Gegenlichtaufnahme ein Problem und meistens kann man es durch eine leicht veränderte Position verhindern. Trotzdem ist es mir in Rom bei tief stehender Sonne einige Male aufgefallen.
Auch in den Bergen hat sich das Objektiv als sehr angenehmer Begleiter erwiesen. Mit 16mm kann man nicht nur die Landschaft selbst fotografieren, sondern auch Vordergründe wie Wege, Steine oder Pflanzen stark in das Bild einbeziehen. Dadurch wirken die Bilder dynamischer und zeigen mehr von der Atmosphäre des Ortes. Gerade auf Wanderungen gefällt mir dieser Look sehr gut.
Was ich auf all meinen Reisen besonders geschätzt habe, ist die kompakte und leichte Bauweise trotz der durchgehenden Blendenöffnung von f/2.8. So konnte ich das Objektiv den ganzen Tag in Berlin, Rom oder auf Wanderungen mitnehmen und hatte trotzdem noch genug Platz und Gewicht für andere Objektive frei. Dafür muss man nur wenige Kompromisse hinsichtlich Ausstattung und Qualität eingehen.
Weitwinkel für Portraits?
Wie bereits erwähnt, habe ich das Tamron 16-30mm f/2.8 G2 auch für Portraits genutzt. Die Idee dazu entstand während eines Shootings, bei dem ich ein Weitwinkelobjektiv von Silvan ausprobieren konnte. Ich war sofort begeistert, denn plötzlich entstanden ganz neue Möglichkeiten für Perspektiven und Bildlooks. Mit dem Tamron habe ich gegenüber einer Weitwinkel-Festbrennweite sogar noch einen Vorteil: die Flexibilität eines Zoomobjektivs.
Bei 16mm kann ich sehr nah an das Model herangehen und trotzdem noch viel von der Umgebung zeigen. Arme oder Beine lassen sich bewusst verlängern, Linien können als Gestaltungselement genutzt werden und die Bilder wirken deutlich dynamischer als klassische Portraits. Natürlich muss man mit der Verzerrung etwas aufpassen. Fotografiert man ein Gesicht aus sehr kurzer Distanz und platziert es direkt am Bildrand, kann das schnell etwas speziell aussehen. Gerade deshalb versuche ich, das Gesicht eher in der Bildmitte zu halten und die Verzerrung bewusst bei Armen, Beinen oder der Umgebung einzusetzen.
Bei 30mm kann man dann auch ein deutlich klassischeres Portrait aufnehmen. Das Gesicht wirkt natürlicher und trotzdem bleibt mehr von der Umgebung sichtbar als bei längeren Portraitbrennweiten. Für mich ist das Tamron 16-30mm dadurch eine perfekte Ergänzung zu meinem Tamron 35-150mm. Die fehlenden 5mm zwischen 30 und 35mm vermisse ich eigentlich nie. Entweder möchte ich wirklich weitwinklig fotografieren oder ich greife direkt zum 35-150mm. Als einziges Portraitobjektiv würde ich das Tamron 16-30mm natürlich nicht verwenden. Aber als Ergänzung macht es richtig viel Spass und ermöglicht Bildlooks, die man mit klassischen Portraitbrennweiten nur schwer erreichen kann.
Schärfe und Bildqualität
Wenn wir es schon von der Bildqualität haben, dann muss ich sagen, dass das Objektiv bereits bei Offenblende sehr scharf ist. Die Bildmitte ist bei f/2.8 hervorragend und auch die Randbereiche sehen sehr gut aus. Nur in den äussersten Ecken erkennt man einen merkbaren Schärfeabfall. Dieser lässt sich aber mit einer etwas geschlosseneren Blende deutlich verbessern. Für Landschaften, Architektur und auch grössere Prints ist die Schärfe meiner Meinung nach mehr als ausreichend.
Objekte springen einem jetzt nicht gerade entgegen wie beim Tamron 90mm Makro. Das 90mm Makro ist für mich eines dieser Objektive, bei denen gewisse Details fast dreidimensional wirken. Diesen extremen Wow-Effekt habe ich beim 16-30mm nicht ganz im gleichen Ausmass. Trotzdem ist das Tamron 16-30mm eines der schärfsten Weitwinkelzooms, die ich bisher getestet habe. Vor allem liefert es über den gesamten Zoombereich eine sehr gleichmässige und verlässliche Leistung.
Autofokus
Für statische Motive ist der Autofokus präzise und schnell genug. Während meiner Reisen hatte ich nur wenige Bilder, bei denen der Fokus nicht richtig getroffen wurde. Auch normale Bewegungen sind kein Problem. Bei Portraits und schlechteren Lichtverhältnissen hatte ich aber häufiger Situationen, in denen der Fokus nicht sofort sass oder etwas länger benötigte. Die Trefferquote ist trotzdem gut genug, um problemlos schöne Portraits aufzunehmen. Bei ruhigeren Shootings stellt das für mich kein grosses Problem dar.
Für deutlich schnellere Situationen wie Sportevents oder Wildlife würde ich das Objektiv allerdings nicht unbedingt empfehlen. Dafür ist der Autofokus meiner Meinung nach nicht schnell genug. Zusätzlich wird die Kamera beispielsweise an meiner Sony A1 II auf maximal 15 Bilder pro Sekunde begrenzt. Für Landschaften, Architektur, Reisen und Portraits spielt das praktisch keine Rolle. Wer das Objektiv jedoch für schnelle Action verwenden möchte, sollte diesen Punkt berücksichtigen.
Gegenlicht, Flares und Sonnensterne
Die Gegenlichtperformance ist meiner Meinung nach insgesamt gut, aber nicht perfekt. In vielen Situationen liefert das Objektiv auch bei direkter Sonne schöne Kontraste und ansprechende Sonnensterne. Wie bereits erwähnt sind diese zwar nicht ganz so scharfkantig wie bei gewissen anderen Objektiven, gefallen mir persönlich aber trotzdem gut.
Unter schwierigeren Bedingungen zeigt das Objektiv jedoch auch seine Grenzen. Befindet sich eine sehr helle Lichtquelle direkt im Bild oder knapp ausserhalb davon, verliert das Bild relativ schnell etwas an Kontrast. Dadurch wirkt es teilweise flacher und je nach Situation entstehen sichtbare Flares oder Ghosting. Besonders bei meinen Aufnahmen in Rom ist mir das bei tief stehender Sonne einige Male aufgefallen. Für mich ist das aber kein Dealbreaker. In den meisten Situationen liefert das Objektiv eine gute Gegenlichtleistung. Wer jedoch häufig direkt gegen die Sonne fotografiert, sollte diesen Punkt im Hinterkopf behalten.
Chromatische Aberrationen und Vignettierung
Die chromatischen Aberrationen sind insgesamt sehr gut kontrolliert. Im normalen Einsatz fallen sie praktisch nicht auf. Erst bei sehr kontrastreichen Motiven wie Ästen vor einem hellen Himmel oder Gebäudekanten im Gegenlicht können leichte Farbsäume auftreten. Diese bewegen sich aber auf einem sehr tiefen Niveau und lassen sich in Lightroom praktisch vollständig mit einem Klick entfernen.
Die Vignettierung ist bei 16mm und Offenblende sichtbar vorhanden. Bei einem Ultraweitwinkel mit einer Lichtstärke von f/2.8 ist das aber absolut normal. Bereits leichtes Abblenden reduziert sie deutlich. Mich persönlich hat sie im Alltag nie wirklich gestört. Gerade bei Landschaften oder Portraits gefällt mir die leichte natürliche Abdunklung der Bildecken teilweise sogar, weil sie den Blick etwas stärker auf das Motiv lenkt. Wer eine möglichst neutrale Darstellung bevorzugt, kann die Vignettierung über das Objektivprofil problemlos korrigieren.
Bedienung und fehlende Funktionen
Ein Punkt, der mir am Tamron 16-30mm fehlt, ist ein AF/MF-Schalter. Gerade bei einem Weitwinkelobjektiv hätte ich diesen eigentlich erwartet. Für Astrofotografie oder Architekturaufnahmen arbeitet man häufig mit manuellem Fokus und möchte verhindern, dass der Autofokus plötzlich wieder neu fokussiert. Es ist jetzt auch kein Weltuntergang, aber ein Feature, das ich mir eigentlich bei jedem Objektiv wünschen würde. Dafür besitzt das Objektiv einen frei belegbaren Funktionsknopf. Diesen nutze ich sehr gerne für gewisse Fokusfunktionen wie beispielsweise den Eye AF. Auch der manuelle Fokusring lässt sich über die Tamron Lens Utility Software individuell konfigurieren und beispielsweise als Blendenring nutzen. Allerdings läuft er sehr leichtgängig, wodurch man ihn auch schnell einmal unbeabsichtigt verstellt. Beim neuen Tamron 12-20mm f/2.8 wurden gewisse dieser Dinge besser gelöst. Dort gibt es beispielsweise einen richtigen Blendenring. Trotzdem finde ich die Bedienung des 16-30mm insgesamt unkompliziert. Die wenigen fehlenden Funktionen stören mich im Alltag weniger als erwartet.
Fazit
Das Tamron 16-30mm f/2.8 G2 ist für mich ein Objektiv, das deutlich vielseitiger ist, als man auf den ersten Blick denkt. Seine grössten Stärken zeigt es natürlich bei Landschafts-, Architektur- und Reisefotografie. Die Kombination aus kompakter Bauweise, geringem Gewicht, durchgehender Lichtstärke von f/2.8 und sehr guter Bildqualität macht es für mich zu einem hervorragenden Reisebegleiter. Trotzdem finde ich gerade die ungewöhnlichen Einsatzmöglichkeiten besonders spannend. Portraits mit 16mm sind sicherlich nicht der klassische Einsatzzweck, aber genau dadurch entstehen Bilder, die sich von gewöhnlichen Portraits unterscheiden. Dank des Zoombereichs bis 30mm ist man dabei trotzdem flexibel und kann auch weniger verzerrte Portraits aufnehmen.
Natürlich gibt es kleinere Punkte, die verbessert werden könnten. Ein AF/MF-Schalter wäre sehr praktisch und der Autofokus ist nicht unbedingt für schnelle Action ausgelegt. Auch bei starkem Gegenlicht kann es zu Flares und einem sichtbaren Kontrastverlust kommen. Dafür bekommt man aber ein sehr kompaktes, scharfes und vielseitiges Objektiv, das sich hervorragend mit einem Standard- oder Telezoom kombinieren lässt. Wer also ein leichtes und lichtstarkes Weitwinkelzoom sucht, das nicht nur im Rucksack liegt, sondern auch kreativ eingesetzt werden kann, sollte sich das Tamron 16-30mm f/2.8 G2 definitiv genauer anschauen.